Kriegsgräber

Die Gräber ausländischer Kriegstoter des Ersten und Zweiten Weltkriegs in Norwegen stehen unter einem besonderen Schutz und werden in angemessenem Zustand erhalten. Die übergeordnete Zuständigkeit für diese Aufgabe wurde dem Kulturministerium übertragen. Mit Kriegstoten sind in diesem Zusammenhang gefallene Soldaten, umgekommene Kriegsgefangene und zivile Kriegsopfer gemeint.

Einteilung der Gräber

Bergen Møllendal CWGC

Bei den Gräbern ist zwischen ausländischen Kriegsgräbern in Norwegen und norwegischen Kriegsgräbern in Norwegen und im Ausland zu unterscheiden.

1. Ausländische Kriegsgräber in Norwegen

1.1 Sowjetunion

In den Kriegsjahren 1941–1945, nach der Besetzung Norwegens durch Deutschland 1940, befanden sich schätzungsweise 100 000 Sowjetbürger in deutscher Gefangenschaft in Norwegen. Davon verstarben etwa 13 000, und diese wurden von der Besatzungsmacht gewöhnlich in unmittelbarer Nähe der Gefangenenlager begraben, also über das ganze Land verstreut – in steiniger Erde, in moorigem oder lehmigem Boden ohne Entwässerung. An mehreren Orten waren die Toten in großen Sammelgräbern und in mehreren Lagen übereinander beerdigt worden. Eine erhebliche Zahl von Toten wurde auch in felsigem Gelände gefunden, wo es keine Wege und Straßen gab. Oft waren diese Gräber gar nicht gekennzeichnet.

Sowjetische Kriegstote in Norwegen umfassen Russen, Ukrainer, Kasachen und Personen aus einer Reihe weiterer Staaten der damaligen Sowjetunion.

1951 beschloss die norwegische Regierung, dass Norwegen für würdige Grabstätten der sowjetischen Kriegstoten in Norwegen sorgen, die Gräber pflegen und die damit verbundenen Kosten übernehmen werde.

Die meisten umgekommenen Sowjetbürger wurden in Nordnorwegen gefunden. Für diese Toten legte das Verteidigungsministerium auf der Insel Tjøtta in der Region Helgeland eine Kriegsgräberstätte an, und die Dienststelle Norwegische Kriegsgräberfürsorge (Krigsgravtjenesten) überführte die sterblichen Überreste von den verstreuten Grabstellen in ganz Nordnorwegen auf diese sowjetische Kriegsgräberstätte Tjøtta, abgesehen von den in der Gemeinde Rana Begrabenen.

Exkurs:

M.S. „Rigel“ und die internationale Kriegsgräberstätte Tjøtta

Das unter deutscher Flagge fahrende Gefangenentransportschiff M.S. „Rigel“ befand sich mit über 2 800 Personen an Bord an der Küste von Helgeland auf der Fahrt nach Süden, als es am 27. November 1944 nahe der Insel Rosøya (westlich von Tjøtta) von alliierten Flugzeugen angegriffen und versenkt wurde. Dem schriftlichen Bericht des Kapitäns zufolge kamen bei dem Angriff 2 456 Menschen ums Leben. Das Wrack der „Rigel“ wurde zunächst als Schiffsgrab angesehen. Mit der Zeit erkannte man jedoch die Notwendigkeit, die Toten an Land zu bringen. Die Bergung begann im Frühjahr 1969 und war im Herbst 1970 abgeschlossen. Die im und am Wrack aufgefundenen Toten wurden neben der sowjetischen Kriegsgräberstätte Tjøtta (siehe oben) auf einer gesonderten Gräberstätte, der internationalen Kriegsgräberstätte Tjøtta, eingebettet. Die Schiffspapiere der M.S. „Rigel“ gingen bei dem Fliegerangriff verloren, daher war eine Identifizierung der Toten nicht möglich.

Denkmal auf der sowjetischen und der internationalen Kriegsgräberstätte Tjøtta (Gemeinde Alstahaug).
Denkmal auf der sowjetischen und der internationalen Kriegsgräberstätte Tjøtta (Gemeinde Alstahaug). Foto: Per-Otto Gullaksen/Kulturministerium

Von den sowjetischen Kriegstoten in Südnorwegen ruhen die meisten auf einer der sechs sowjetischen Kriegsgräberstätten, die von der Dienststelle Norwegische Kriegsgräberfürsorge (Krigsgravtjenesten) angelegt wurden. Es handelt sich um die Kriegsgräberstätten Haslemoen, Jørstadmoen, Oppdal, Sunndalsøra, Verdalsøra und Vinjeøra.

Ferner gibt es jeweils ein größeres Gräberfeld mit sowjetischen Kriegstoten auf Friedhöfen in Bergen (Nygård, Stadtteil Laksevåg), Lista (Vanse), Oslo (Vestre Gravlund), Stavanger (Eiganes) und Trondheim (Lademoen). Die übrigen Kriegstoten der Sowjetunion in Norwegen ruhen in Einzelgräbern auf 46 verschiedenen Friedhöfen in Südnorwegen.

Suche nach in Norwegen beerdigten sowjetischen Kriegstoten (Namen und weitere Angaben zur Person)

1.2 Deutschland

Es gibt 11 500 deutsche Kriegsgräber in Norwegen, und zwar auf den fünf besonders hierfür angelegten deutschen Kriegsgräberstätten Bergen-Solheim, Botn-Rognan, Narvik, Oslo-Alfaset und Trondheim-Havstein. Außerdem wurde ein deutscher Kriegstoter auf dem Friedhof Sæbø in Hjørundfjord bestattet.

Suche nach in Norwegen beerdigten deutschen Kriegstoten (Namen und weitere Angaben zur Person) über die Online-Gräbersuche des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.

1.2.1 Oslo-Alfaset

Nach der Besetzung Norwegens im Zweiten Weltkrieg (1940) legten deutsche Behörden eine Kriegsgräberstätte im Osloer Stadtteil Ekeberg an. Auf Beschluss des norwegischen Parlaments (Storting) vom 8. Oktober 1952 wurden die Gefallenen von Ekeberg auf die neu angelegte Kriegsgräberstätte Oslo-Alfaset im Grorud-Tal umgebettet. Diese Umbettung begann am 16. Oktober 1952 und war am 17. November desselben Jahres abgeschlossen.

Deutsche Kriegsgräberstätte Oslo-Alfaset.
Deutsche Kriegsgräberstätte Oslo-Alfaset. Foto: Per-Otto Gullaksen/Kulturministerium

Auf die deutsche Kriegsgräberstätte Oslo-Alfaset wurden auch Gefallene umgebettet, die in den folgenden (und einigen anderen) Orten beerdigt worden waren: Bogstad, Bolærne, Borre, Bragernes, Brevik, Dovre, Drammen, Eidanger, Ekeberg (siehe oben), Elverum, Folldalsfjella, Fredrikstad, Gol, Grefsen, Hagaskogen, Hamar, Hedenstad, Herad, Hole, Hovin, Lillehammer, Midtronden-Storronden, Røros, Rossabø, Stavern und Vågsvåg.

Auf dieser Kriegsgräberstätte ruhen außer Kriegstoten des Zweiten Weltkriegs auch einige deutsche Kriegstote des Ersten Weltkriegs.

Die Kosten für die Namensteine (aus Granit) wurden vom norwegischen Staat gedeckt, während der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. die Symbolkreuzgruppen, das Eingangstor, den Gedenkraum und das Gerätehaus (mit Toiletten) finanzierte. Die liegenden Namensteine wurden später durch stehende Granitkreuze ersetzt.

Auf der deutschen Kriegsgräberstätte Oslo-Alfaset ruhen 3 209 Gefallene.

1.2.2 Botn-Rognan

Die 1954 eingerichtete deutsche Kriegsgräberstätte Botn-Rognan liegt in der Gemeinde Saltdal. Die hier ruhenden Gefallenen waren vor der Umbettung an anderen Orten in Nordnorwegen begraben, unter anderem in Alta-Elvebakken, Banak, Bodø, Djupvik, Fauske, Hammerfest, Hatteng, Hatterfjellet, Karasjok, Kirkenes (kirchlicher Friedhof), Neiden, Nesseby, Nordreisa, Øvergård, Prestøya, Sandnessjøen, Setermoen, Sommerlyst, Tajord, Tromsø, Vardø und Vassmo.

Die Identifizierung und Umbettung der Gefallenen wurde von norwegischen Behörden mit Unterstützung durch den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. durchgeführt.

Die Kosten für die Namensteine (aus Oppdal-Schiefer), die Friedhofsmauer und die Grünanlage wurden vom norwegischen Staat gedeckt, während der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. für die übrige Ausgestaltung der Gräberstätte sorgte.

Auf der deutschen Kriegsgräberstätte Botn-Rognan ruhen 2 742 Gefallene.

1.2.3 Narvik

Während des Krieges legten deutsche Stellen als Teil des neuen städtischen Friedhofs eine Kriegsgräberstätte an. Bei Kriegsende ruhten hier 1 250 deutsche Gefallene. Nach dem Krieg wurden 221 Gefallene von anderen Orten nach Narvik umgebettet, und zwar unter anderem von Andenes, Ballangen, Balsfjord, Beisfjord, Bjerkvik, Evenes, Finneidfjord, Hatteng, Kittdal, Kjøpsvik, Lenvik, Lødingen, Lund, Målselv, Nordmo, Sagelv (Storsteinnes), Skånland, Skjold (Kvesmenes), Sørreisa und Våg (Insel Engeløy).

Durch diese Zusammenbettung von Gefallenen wurde Narvik die nördlichste deutsche Kriegsgräberstätte. Deutsche Gefallene, die ursprünglich in den Gebieten um das Nordkap und um Hammerfest beerdigt worden waren, wurden aus logistischen Gründen nicht nach Narvik gebracht, sondern per Schiff zur deutschen Kriegsgräberstätte Botn-Rognan transportiert.

Auf der deutschen Kriegsgräberstätte Narvik ruhen 1 471 Gefallene.

1.2.4 Trondheim-Havstein

In Trondheim waren deutsche Gefallene ursprünglich auf dem städtischen Friedhof Trondheim-Stavne in einem gesonderten Gräberfeld beerdigt worden. Als dieses Gräberfeld zu klein wurde, legten deutsche Stellen 1943 eine gesonderte Kriegsgräberstätte in Trondheim-Havstein (Stadtteil Byåsen) an.

Eingangstor zur deutschen Kriegsgräberstätte Trondheim-Havstein.
Eingangstor zur deutschen Kriegsgräberstätte Trondheim-Havstein. Foto: Per-Otto Gullaksen/Kulturministerium

Bei Kriegsende ruhten hier 1 061 Gefallene. 1955 wurden weitere 1 931 deutsche Gefallene unter anderem von Åkra, Åndalsnes, Arendal, Åsen-Ålesund, Aukra, Austad, Bolsøy, Egersund, Falnes, Grong, Kopervik, Kristiansand, Lademoen, Levanger, Lyngdal, Mandal, Molde, Nærbø, Namsos, Ølen, Oppdal, Sauda, Snåsa, Søgne, Sola, Soma, Spangereid, Stavanger, Stavne (siehe oben), Tromøy, Tveit, Værnes, Vanse und Verdal nach Trondheim-Havstein umgebettet.

Die Umgebetteten ruhen in Einzelgräbern auf der deutschen Kriegsgräberstätte Trondheim-Havstein.

Deutsche Kriegsgräberstätte Trondheim-Havstein.
Deutsche Kriegsgräberstätte Trondheim-Havstein. Foto: Per-Otto Gullaksen/Kulturministerium

Die Kosten für die Namensteine wurden vom norwegischen Staat gedeckt, während der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. die Symbolkreuzgruppen, das Eingangstor, den Gedenkraum und das Gerätehaus (mit Toiletten) finanzierte.

Auf der deutschen Kriegsgräberstätte Trondheim-Havstein ruhen 2 992 Gefallene.

1.2.5 Bergen-Solheim

1940 wurden deutsche Gefallene auf dem städtischen Friedhof Bergen-Solheim in einem gesonderten Gräberfeld beerdigt. Dies war eine provisorische Regelung bis zur Einrichtung einer deutschen Kriegsgräberstätte außerhalb der Stadt. Eine neue Kriegsgräberstätte wurde jedoch nicht angelegt, und nach dem Krieg beschlossen die norwegischen Behörden, dass die deutschen Gefallenen nicht von diesem Friedhof verlegt werden sollten. Hingegen wurden deutsche Gefallene von anderen Orten umgebettet, unter anderem von Ådland, Fana, Florø, Fosen, Lærdal, Møllendal, Nesttun, Stokkenes, Voss und Ytre Arna.

Die Namensteine wurden vom norwegischen Staat finanziert. Später wurden sie mit Mitteln des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. durch Granitkreuze ersetzt.

Auf der deutschen Kriegsgräberstätte Bergen-Solheim ruhen 1 085 deutsche Gefallene.

1.3 Jugoslawien

In Norwegen gibt es 2 410 jugoslawische Kriegsgräber. Es handelt sich hier um Tote der früher zu Jugoslawien gehörenden Nationen und Volksgruppen. Eine große Zahl von ihnen ruht auf der jugoslawischen Kriegsgräberstätte Botn in der Gemeinde Saltdal. Jugoslawische Gräber finden sich außerdem in Jørstadmoen (gleichnamige Kriegsgräberstätte), Osøyro (Friedhof Os) und Trondheim (Friedhöfe Lademoen und Moholt).

Jugoslawische Kriegsgräberstätte Botn (Gemeinde Saltdal).
Jugoslawische Kriegsgräberstätte Botn (Gemeinde Saltdal). Foto: Per-Otto Gullaksen/Kulturministerium

Die meisten dieser jugoslawischen Kriegstoten sind namentlich bekannt. Die Dienststelle Norwegische Kriegsgräberfürsorge hat jugoslawische Grabsteine aufgestellt und unterhält diese Gräber und die Kriegsgräberstätte.

Jugoslawische Kriegstote des Zweiten Weltkriegs, die in Norwegen beerdigt sind (auf Norwegisch) (.pdf)

1.4 Commonwealth-Staaten

Etwa 1 150 Gefallene aus Commonwealth-Staaten (Vereinigtes Königreich Großbritannien und Nordirland, Kanada, Australien und Neuseeland) sind in Norwegen beerdigt. Diese Gefallenen wurden nach dem Krieg nicht zusammengebettet, sondern ruhen auf 74 gewöhnlichen Friedhöfen im ganzen Land.

Die meisten dieser Kriegstoten aus Commonwealth-Staaten sind namentlich bekannt. Grab- und Gedenksteine wurden von der Commonwealth War Graves Commission (CWGC) finanziert und werden von dieser Stelle auch gepflegt und instandgehalten.

Suche nach in Norwegen beerdigten Kriegstoten aus Commonwealth-Staaten (Namen und weitere Angaben zur Person) über die Online-Gräbersuche der CWGC: rechts unter der Titelleiste Wahl zwischen „Find a War Dead“ (Kriegstoten suchen) und „Find a Cemetery“ (Friedhof suchen)

Norwegischer Nationalfeiertag (17. Mai): Gedenkveranstaltung an den Kriegsgräbern auf dem Friedhof Nes in Nesbyen.
Norwegischer Nationalfeiertag (17. Mai): Gedenkveranstaltung an den Kriegsgräbern auf dem Friedhof Nes in Nesbyen. Foto: Gesamtkirchenrat Nes (Nes kirkelige fellesråd)

1.5 Andere Nationen

In Norwegen gibt es 164 polnische Kriegsgräber, und zwar in Narvik (Friedhof Håkvik und Neuer Friedhof Narvik), Oslo (Friedhof Vestre Gravlund) und Trondheim (Friedhof Moholt). Namensliste von in Norwegen ruhenden polnischen Kriegstoten (auf Norwegisch) (.pdf) 

In Norwegen gibt es 131 französische Kriegsgräber, und zwar auf Friedhöfen in Namsos und Narvik. Namensliste von in Norwegen ruhenden französischen Kriegstoten (auf Norwegisch) (.pdf)  

In Norwegen gibt es 92 schwedische Kriegsgräber. Namensliste schwedischer Kriegstoter in norwegischen Diensten (auf Norwegisch) (.pdf)

Auf dem Friedhof Vestre Gravlund in Oslo befinden sich 54 niederländische Kriegsgräber. Namensliste von in Norwegen ruhenden niederländischen Kriegstoten (auf Norwegisch) (.pdf)

1.6 Gedenkstätten und Mahnmale

Bei einer Besprechung am 26. Juli 1954 einigten sich die Mitglieder der norwegisch-sowjetischen Kriegsgräberkommission, auf welchen früheren Grabstellen sowjetischer Kriegstoter offizielle Gedenksteine aufgestellt werden sollten. Auch Form und Inschrift wurden gemeinsam beschlossen. Auf den Mahnmalen ist in norwegischer und russischer Sprache zu lesen:

„Zum Gedenken an die sowjetischen Soldaten, die 1941–1945 in Norwegen ihr Leben verloren und hier beerdigt waren“

Gedenkstein in Skafferhullet (Sør-Varanger).
Gedenkstein in Skafferhullet (Sør-Varanger). Foto: Per-Otto Gullaksen/Kulturministerium

Solche Gedenksteine wurden an folgenden Standorten (hier nicht in alphabetischer Reihenfolge) aufgestellt:

  • Verwaltungsbezirk Finnmark:
    Skafferhullet (Sør-Varanger), Noselva (Høybuktmoen),
    Klubben (Indre Billefjord) und Elvebakken (Alta)
  • Verwaltungsbezirk Troms:
    Friedhof Skibotn, Lulle (Skibotndalen), Skjold-Hof (Øvergård), Friedhof Hatteng, Kittdal, Friedhof Bardu, Friedhof Tromsø, Haraldshaugen (Øverbygd), Alter Friedhof Sørreisa und Abaja (Storfjord) 
  • Verwaltungsbezirk Nordland:
    Furumoen (Narvik), Vassmo (Hamarøy), Kobbvassgrend, Elvkroken, Friedhof Helland, Friedhof Fauske, Friedhof Bodin, Friedhof Bodø, Botn und Hestbrinken (Saltdal), Bolna, Krokstrand, Nabbvollen und Friedhof Mosjøen
  • Verwaltungsbezirk Vest-Agder:
    Nesheimmarka (Lista)

Für den Unterhalt der Kriegsgräber, der Mahnmale auf ehemaligen Kriegsgräbern und der Gedenkstätte auf dem Friedhof Vestre Gravlund in Oslo (zur Erinnerung an die Kriegstoten einer Reihe von Ländern) gibt es eine Kostendeckungsregelung (siehe Abschnitt „Kriegsgräberverordnung“).

2. Norwegische Kriegsgräber

2.1 Norwegische Kriegsgräber in Norwegen

1945 beschloss die Regierung auf Initiative des Parlamentspräsidiums, eine Gedenkschrift für alle norwegischen Kriegstoten herauszugeben. Das vierbändige Werk „Våre Falne“ [Unsere Kriegstoten] enthält rund 11 000 Biografien.

Die vier Bände von „Våre Falne“ sind im Digitalarchiv zugänglich:

„Våre Falne“ Band 1

„Våre Falne“ Band 2

„Våre Falne“ Band 3

„Våre Falne“ Band 4

Auch auf der Internetseite der Norwegischen Nationalbibliothek http://www.nb.no/ ist das Werk zugänglich (Suchbegriff ist der Buchtitel „Våre Falne“).

Das Statistische Zentralamt Norwegen hat eine Statistik der Kriegstoten im Zeitraum vom 9. April 1940 (Besetzung Norwegens durch die deutsche Wehrmacht) bis zum 8. Mai 1945 erstellt und darin 10 262 Todesfälle erfasst. In dieser Zahl sind auch 689 norwegische Gefallene in deutschen Diensten an der Ostfront enthalten.

Auf den meisten der rund 2000 Friedhöfe in Norwegen befinden sich jeweils einige dieser etwa 10 000 norwegischen Kriegsgräber. Es handelt sich dabei grundsätzlich um private Grabstellen. Somit bestimmen die nächsten Angehörigen des oder der Verstorbenen über das Grab, d. h. rein rechtlich die Person, von der die Grabnutzungsgebühren gezahlt werden. Für diese Kriegsgräber in Norwegen wurden keine besonderen Schutzbestimmungen festgelegt.

Die norwegischen Kriegsgräber in Norwegen fallen nicht in den Arbeits- und Zuständigkeitsbereich der Dienststelle Norwegische Kriegsgräberfürsorge. Auch die Kriegsgräberverordnung mit der Kostendeckungsregelung für den Unterhalt von Kriegsgräbern (siehe Abschnitt „Gesetzliche Grundlage“) gilt nicht für diese Kategorie Kriegsgräber.

In einigen Fällen hat das örtliche Gemeinwesen, die Kommunalverwaltung oder die Friedhofsbehörde im Einvernehmen mit den Angehörigen die Aufstellung eines als offiziell anzusehenden Gedenksteins auf Gräbern örtlicher Kriegshelden finanziert. In solchen Fällen kann auch erwartet werden, dass die Friedhofsbehörde die Grabpflege übernimmt, dass die Kommunalverwaltung hierfür Haushaltsmittel bereitstellt und dass das Grab auf Dauer unter einem besonderen Schutz steht. Dies setzt voraus, dass die nächsten Angehörigen keine Einwände dagegen haben. Jedenfalls ist ihr Einverständnis während der Dauer der gewöhnlichen Ruhezeit erforderlich.

Bestattungsverordnung § 27

Gemäß § 27 der norwegischen Bestattungsverordnung kann die örtliche Friedhofsbehörde (Gesamtkirchenrat)

„beschließen, dass bestimmte Bereiche des Friedhofs oder bestimmte Einzelgräber wegen der dort vorhandenen Grabmale und sonstigen Elemente der Grabgestaltung zu erhalten sind. Ein solcher Beschluss ist unter anderem dann möglich, wenn Grabmale in einem bestimmten Bereich des Friedhofs (auch auf einem Einzelgrab) ein gewisses Alter haben, eine Stilepoche verkörpern, sich hinsichtlich der Wahl des Werkstoffs örtlich auszeichnen, eine bemerkenswerte persönliche Geschichte widerspiegeln oder auf andere Art und Weise etwas Besonderes darstellen.“

In einem Erlass hat das Ministerium die örtlichen Friedhofsbehörden aufgefordert, diese Bestimmung nach wohlwollender Prüfung des Falls anzuwenden, damit Gräber norwegischer Kriegstoter und Gedenksteine für diese erhalten bleiben.

2.2 Norwegische Kriegsgräber im Ausland

In den ersten Nachkriegsjahren waren die Suche nach Gräbern norwegischer Kriegstoter im Ausland, die Identifizierung und Registrierung der Toten, die Überführung in das Heimatland (im Einvernehmen mit den Angehörigen des oder der Verstorbenen) bzw. die Instandsetzung, die Kennzeichnung und der Unterhalt der Gräber im Ausland (wenn keine Überführung infrage kam) Aufgabe der Norwegischen Gräberkommission und später der Dienststelle Norwegische Kriegsgräberfürsorge (mehr dazu im Kapitel „Kriegsgräberfürsorge in Norwegen“).

So wurden nach Kriegsende umfassende, gründliche Untersuchungen in Europa vorgenommen, und in Zusammenarbeit mit den entsprechenden Stellen anderer Länder konnten 367 norwegische Kriegstote erfasst werden. Von diesen wurden 296 nach Norwegen überführt und ihren Angehörigen übergeben. Die Gräber der nicht nach Norwegen überführten Toten wurden instand gesetzt und mit norwegischen Grabmalen offiziell als Kriegsgrab gekennzeichnet.

Übersicht über norwegische Kriegsgräber im Ausland (Namensliste mit weiteren Angaben – auf Norwegisch) (.pdf) 

Für die Kriegsgräber ziviler Seeleute im Ausland waren die Schifffahrtsbehörden zuständig. Auf Initiative des früheren Ministeriums für Industrie, Handel und Schifffahrt übernahm die Dienststelle Norwegische Kriegsgräberfürsorge die Zuständigkeit für Instandsetzung, Kennzeichnung und Unterhalt eines Teils dieser Gräber.

Vom Ministerium für Industrie, Handwerk und Schifffahrt herausgegebenes „Verzeichnis norwegischer Seeleute, die 1940–1960 in ausländischen Gewässern ums Leben kamen“ (Internetseite auf Norwegisch) 

Gesetzliche Bestimmungen – Kriegsgräberregister

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Bestattungsgesetz und Kriegsgräberverordnung mit Kostendeckungsregelung für den Unterhalt von Kriegsgräbern sowie Kriegsgräberregister.

Gesetzliche Grundlage

Für ausländische Kriegsgräber in Norwegen gilt ein gesonderter Paragraf im Bestattungsgesetz (auf Norwegisch).

Für norwegische Kriegsgräber in Norwegen ist die Bestattungsverordnung (siehe Kapitel „Einteilung der Gräber“ unter Punkt 2.1) maßgebend.

Gesetz Nr. 32 vom 7. Juni 1996 über Grabstätten, Feuerbestattung und Beerdigung – § 23 a

Gräber ausländischer Soldaten und Kriegsgefangener (Kriegsgräber) aus dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg stehen unter einem besonderen, zeitlich nicht begrenzten Schutz und sind so zu pflegen, instand zu halten und zu achten, wie es ihrer Eigenart entspricht.

Das Ministerium kann nähere Bestimmungen für die Pflege und Instandhaltung von Kriegsgräbern, Kriegsgräberstätten und Kriegsmahnmalen erlassen.

Aus den Vorarbeiten zum Gesetz (Regierungsvorlage 81 L (2010–2011) (auf Norwegisch), Seite 27) geht hervor, dass „das Ministerium in einer Durchführungsverordnung nähere Bestimmungen über die Zuständigkeit des örtlichen Gesamtkirchenrats für die Pflege der Kriegsgräber auf den gewöhnlichen (kirchlichen) Friedhöfen erlassen und auch die Zuständigkeit für die Instandhaltung der Kriegsgräberstätten und eventueller Kriegsmahnmale im Gemeindegebiet dem jeweiligen Gesamtkirchenrat übertragen kann“.

Verordnung über Kriegsgräber mit Kostendeckungsregelung

Nach Maßgabe von § 23 a des Bestattungsgesetzes wurde eine Durchführungsverordnung für ausländische Kriegsgräber in Norwegen erlassen, die Verordnung Nr. 370 vom 13. April 2015 über Kriegsgräber (auf Norwegisch).

Diese Verordnung gilt für den Unterhalt von Gräbern ausländischer Soldaten und Kriegsgefangener beider Weltkriege (Kriegsgräber) auf öffentlichen Friedhöfen und den Unterhalt besonderer Kriegsgräberstätten für gefallene Soldaten und umgekommene Kriegsgefangene des Zweiten Weltkriegs. Ferner gilt diese Verordnung für Kriegsmahnmale, die auf Initiative oder mit Zustimmung der Dienststelle Norwegische Kriegsgräberfürsorge (mehr dazu im Kapitel „Kriegsgräberfürsorge in Norwegen“) errichtet wurden.

Durch diese Verordnung wurde auch eine Regelung für die Kosten des Unterhalts von Kriegsgräbern getroffen. In der Verordnung ist festgelegt, dass die örtlichen Friedhofsverwaltungen und in bestimmten Fällen auch andere für den Unterhalt von Kriegsgräbern zuständige Stellen einen jährlichen Zuschuss zur Deckung der hierfür anfallenden Kosten erhalten.

Weitere Einzelheiten zu dieser Kostendeckungsregelung finden sich in dem Erlass V 9N/2015 (auf Norwegisch).

Register der Kriegsgräber

Für die norwegischen Kriegsgräber im Ausland und die Kriegsgräber der verschiedenen Nationen in Norwegen wurden Register erstellt. Grundlage dieser Register sind die vorhandenen und zugänglichen Informationen.

Die Zuständigkeit für Führung und Qualitätssicherung dieser Register sowie die Bereitstellung dieser Informationen für die Öffentlichkeit wurde dem Falstad-Zentrum in Nord-Trøndelag übertragen. Hierfür erhält das Falstad-Zentrum vom norwegischen Staat einen jährlichen Zuschuss.

Internetseiten des Falstad-Zentrums

Kriegsgräberfürsorge in Norwegen

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Geschichte, Aufgaben und Organisierung der Kriegsgräberfürsorge in Norwegen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg lag eine große Zahl ausländischer Staatsangehöriger in Norwegen begraben, zum Teil unter kaum als würdig zu bezeichnenden Verhältnissen. Gleichzeitig war eine unbekannte Zahl norwegischer Staatsangehöriger, die bei Kriegshandlungen im Ausland den Tod gefunden hatten, außerhalb Norwegens beerdigt worden.

Daraus ergaben sich zwei Aufgabenkomplexe, für die zuständige Stellen bestimmt bzw. geschaffen werden mussten.

Ende 1945 wurde daher einerseits eine Kommission berufen – Die Norwegische Gräberkommission (Den norske gravkommisjonen). Diese erhielt den Auftrag, in verschiedenen europäischen Ländern nach Gräbern norwegischer Kriegsopfer zu suchen und die sterblichen Überreste der Toten nach Norwegen zu überführen. Diese Arbeit war 1950 abgeschlossen.

Andererseits wurde die Zentralstelle für Kriegsgräber (Sentralkontoret for krigsgraver) geschaffen und mit Schreiben des Verteidigungsministeriums vom 20. November 1946 dem Kommando des norwegischen Heeres unterstellt. Bei jedem Wehrbereichskommando wurde außerdem eine Wehrbereichsstelle für Kriegsgräber eingerichtet, die vom zuständigen Militärseelsorger geleitet wurde. Diese Stellen waren für die Registrierung ausländischer Kriegsgräber in Norwegen und für Umbettungen zuständig.

Die Gräberkommission wurde 1950 aufgelöst, und die Wehrbereichsstellen folgten 1955. Die Aufgaben übernahm die Dienststelle Norwegische Kriegsgräberfürsorge (Krigsgravtjenesten). Diese wurde 1963 dem nationalen Logistikkommando der Norwegischen Streitkräfte zugeordnet.

1966 waren die Nachforschungen nach Norwegern, die während des Krieges im Ausland ihr Leben verloren hatten, und die Zusammenbettungen ausländischer Kriegstoter, die in Norwegen begraben worden waren, abgeschlossen. Im Anschluss daran wurde die Dienststelle Norwegische Kriegsgräberfürsorge der Hauptabteilung Kirchliche Angelegenheiten im damaligen Kirchen- und Unterrichtsministerium bzw. später der Abteilung Kirchliche Angelegenheiten im jeweils zuständigen Ministerium unterstellt.

Nach Auflösung der Abteilung Kirchliche Angelegenheiten im Kulturministerium zum 31. Dezember 2015 wurde die Kriegsgräberfürsorge als Aufgabenbereich der neu geschaffenen Abteilung Religion, Weltanschauung und Kulturgutschutz im selben Ministerium zugeordnet.

Das Archivmaterial der Dienststelle Norwegische Kriegsgräberfürsorge wurde dem Norwegischen Zentralarchiv (Riksarkivet) übergeben. Die Zuständigkeit für die Kriegsgräberregister und anderes Dokumentationsmaterial in Bezug auf Kriegsgräber wurde dem Falstad-Zentrum übertragen.

Anmerkung des Übersetzers:

Bei der alphabetischen Reihenfolge von Ortsnamen gilt Folgendes für die norwegischen Sonderbuchstaben: æ = ae, ø = oe, å = a.

Aus dem Norwegischen übersetzt von Ulrich Linnemann